Am 28. August 2009 beendete der letzte große Zwist der Gallagher-Brüder die Ära Oasis. Noel stieg aus, Liam und der Rest der Band machten unter dem Namen Beady Eye weiter. Mit dem Erscheinen von Noel’s Soloplatte „Noel Gallagher’s High Flying Birds“ geht der Schlagabtausch nun in die nächste Runde. Noel hielt sich zwei Jahre nach der Bandauflösung bedeckt, kommentierte keinen von Liams zahlreichen Medien-Attacken. Erst vor ein paar Monaten sprach er erstmals öffentlich über den Zwischenfall beim "Rock en Seine Festival 2009" in Paris, der das Ende von Oasis besiegelte. Im gleichen Zug kündigte er sein Album “Noel Gallagher’s High Flying Birds” an – die wohl spannendste Veröffentlichung des Jahres. Die Erwartungen an das Mastermind von Oasis sind also hoch. Aber Noel kann sie erfüllen – schließlich stammen die größten Oasis-Hits wie „Wonderwall“ oder „Don’t Look Back In Anger“ aus seiner Feder. Und auch, wenn die Gebrüder Gallagher vom ständigen Oasis-Vergleich genervt sind, kommt man nicht drum herum. Immerhin sind vier der zehn Songs sogar alte Oasis-Demos: „Everybody’s On The Run“, „If I Had A Gun …“, „(I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine“ und das seit Jahren mit Superlativen beworbene „ Stop The Clocks“. Anstatt der Oasis-typischen Breitwandgitarren gibt es viele Streicher, Chöre und Bläser. Aber auch kompositorisch wirken die Stücke trotz ihrer langen Entstehungszeit wie aus einem Wurf: keine Balladen, keine harten Rocksongs, alles Midtempo-Nummern. Stimmlich kann Noel zwar nicht mit Liam mithalten, aber seinen Sound hat er trotzdem gefunden. Sein einziges Deutschlandkonzert am 04. Dezember im Kölner Palladium ist bereits restlos ausverkauft. Warten wir also das für Sommer 2012 angekündigte Nachfolgeralbum ab, eine Experimentalplatte mit Amorphous Androgynous. Deren über 22-minütiger Psychedelic-Remix der letzten Oasis-Single „Falling Down“ lässt auf Großes hoffen... und möglicherweise auch auf eine ausgedehntere Deutschlandtour.