In der Parapsychologie bezeichnet die Telekinese das Bewegen von Gegenständen durch reine Gedankenkraft. Und weil auch Musik sehr bewegend sein kann, hat Michael Benjamin Lerner seine Band eben ganz einfach „Telekinesis“ genannt. Der Singer/Songwriter aus Seattle bringt jetzt mit „12 Desperate Straight Lines“ sein zweites Album raus – und macht da weiter, wo er 2008/09 mit seinem großartigen Debüt „Telekinesis!“ aufgehört hat. Die neue Platte hat Lerner wiederum zusammen mit Death Cab For Cutie-Gitarrist Chris Walla in Portland im US-Bundesstaat Oregan eingepielt und produziert. Mehr Personal brauchte es dazu auch nicht, denn Lerner ist ein Multi-Talent – er singt, spielt Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug. Nachdem er seine Songs aufgenommen hat, erledigte Walla den Rest. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Indie- und Pop-Rock. Zu seinen musikalischen Einflüssen gehören nach eigener Aussage Bands wie The Beatles oder The Kinks. Am deutlichsten wird der 80er-Einschlag im Song „Please Ask For Help“. „12 Desperate Straight Lines“ – das heisst 12 Songs, in denen es um Herzschmerz, Wut und Hoffnung geht. Lerner verarbeitet darauf vor allem das Ende seiner Beziehung. Den nötigen Abstand davon fand er in Deutschland, genauer gesagt im kalten, verregneten Berlin, wo einige Songs des Albums entstanden. So zum Beispiel die ziemlich düstere Nummer „50 Ways“. Michael Benjamin Lerner ist zwar noch keine 25 Jahre alt, aber musikalisch gehört er jetzt schon zu den ganz Großen. Aber ist ja auch kein Wunder – schließlich heisst es, Stevie Wonder habe Michaels damals schwangerer Mutter nach einen Konzert mit den Worten "I bless this child" seine Hand auf den Bauch gelegt...